François Servais wurde in Halle, einem gemütlichen Städtchen 15km südlich von Brüssel geboren. Halle ist seit dem 13. Jh. vor allem als Pilgerort bekannt. Hier ist Servais aufgewachsen, hat eine Familie gegründet und ist hier gestorben. Zwischen seinen Reisen zog er sich hier in seine Villa zurück. Halle ehrt Servais bis heute.

1. Servais’ Geburt

Servais´ Vater Jean-Baptiste, 1838
(Private Sammlung)

François Servais kam am 6. Juni 1807 zur Welt in einem einfachen Häuschen im Handbooghof, ein Sträßchen in der Nähe des Flüsschens Zenne, im Zentrum der Stadt. Vater Jean-Baptiste Servais (1773-1838) war Schuster, Mutter Joséphine Bande (1784-1878) arbeitete als Dienstmädchen bei verschiedenen Familien in der Nachbarschaft.

Die Familie Servais geht in Halle nachweislich zurück bis ins frühe siebzehnte Jahrhundert. Alle Vorfahren von François Servais waren waschechte Hallenser. Zwei Jahren nach ihm kam eine Tochter zur Welt, Pauline. Sie heiratete François Denayre, einen Bäcker aus Halle.

2. Mitglied im Kirchenorchester

Sankt-Martinusbasilika, 2015

Um sich ein Zubrot zu verdienen, spielte Servais´ Vater Geige in dem kleinen Orchester der Sankt-Martinuskirche (der heutigen St.-Martinusbasilika). Seit seinem zwölften Lebensjahr war Francois Servais, wahrscheinlich als Klarinettist, ebenso Mitglied des Ensembles. Er musizierte fast jeden Tag bei den Messfeiern. Ab 1827 musste er sich regelmäßig wegen seiner Ausbildung und anfangender Karriere abmelden. 1832 kündigte er seine Mitarbeit endgültig.

3. Musiker und Dirigent der Harmonie in Halle

Servaisehrung am 4. September 1837

Das Kirchenorchester arbeitete eng zusammen mit der Hallenser Harmonie Sankt-Cäcilia. Diese wurde 1790 gegründet und existiert heute noch als aktiver Musikverein. Wir können annehmen, dass Servais auch in diesem Orchester mitwirkte. Vermutlich war er ab 1828 sogar Dirigent. Er bewirkte , dass Jean Valentin Bender, der bereits die Königliche Musikkapelle dirigierte, sein Nachfolger wurde. Servais blieb stets der Harmonie verbunden, erst als Ehrenmitglied und ab 1860 als Ehrenvorsitzender. Wenn sich die Möglichkeit ergab, besuchte er die Konzerte und Festessen und erfreute den Verein sogar einige Male durch seine aktive Mitwirkung.

So trat er am 4. September 1837 bei einem Konzert auf. Nach seinem Auftritt sangen die Anwesenden eine Hommage an Servais, für diese Gelegenheit gedichtet von Deltenre aus Edingen.

4. Opus 1 einem Hallenser gewidmet

François Servais, Fantaisie pour le Violoncelle, opus 1 – Schott Mainz, 1838

1838 veröffentlichte der bekannte Verleger Schott in Mainz Servais´ Opus 1, eine Fantasie für Cello und Harfe. Servais widmete sein Werk dem Hallenser Jean-Joseph Vandercammen (1788-1866). Vandercammen war eine treibende Kraft sowohl im Kirchenorchester als auch in der Harmonie. Er hat einen großen Einfluss auf Servais´ Ausbildung gehabt. Er war Zeuge bei der Trauung gewesen so wie bei der Eintragung der Geburt einiger Servaiskinder.

5. Heirat

Historisches Rathaus, 2015

Servais lernte in Russland Sophie Feygin kennen. Sie war die Tochter eines Rentmeisters von Zar Nicolas I. Sie heirateten 1842 in Sankt-Petersburg vor der russisch- orthodoxen Kirche. 1848 wurde die standesamtliche Ehe in Halle vollzogen. Die Feierlichkeit fand im Rathaus auf dem Marktplatz statt. Die ersten Jahre nach der Hochzeit verlebte das Paar in Huizingen, einer Nachbargemeinde von Halle.

6. Villa Servais

Plan von der Villa Servais durch Jean-Pierre Cluysenaar, 1859
© Servais Sammlung Halle

1847 siedelte die Familie nach Halle über in die sogenannte “Villa Servais”. Diese Villa wurde entworfen von Jean-Pierre Cluysenaar, Architekt u.a. der Sankt-Hubertusgalerien, vom Rathaus in Dilbeek, von Schoß Rey in Drogenbos und vom Königlichen Konservatorium in Brüssel. Cyprien Godebski, Servais’ späterer Schwiegersohn, schuf ein Basrelief für den Hauptgiebel mit der Darstellung u.a. von Beethoven, Rossini und einem Cello.

Der Grundstein der Villa wurde gelegt am 20. August 1847 in Anwesenheit seines Pariser Freundes und Impresarios Jules Lardin. Von seiner Villa aus hatte Servais eine schöne Aussicht über die Umgebung. Der Park erstreckte sich über einen großen Teil der „Vogelpers“ und der heutigen Sint-Rochusstraat.

Die Familie Servais hatte regelmäßig befreundete Musiker und Künstler zu Gast wie Franz Liszt, Anton Rubinstein, François-Joseph Fétis und Berthold Damcke. Belgische Musiker wie Henry Vieuxtemps, Hubert Léonard und François-Auguste Gevaert gingen ein und aus. Königin Marie-Hendrika kam inkognito zu Besuch. Misia Godebska, die als Misia Sert in die Geschichte ging, verbrachte einen Teil ihrer Jugend dort. Die Söhne Franz und Joseph bewohnten die Villa mit längeren Intervallen bis 1885 immer wieder.

7. Servais spielt in Halle

Plakat für ein Benefizkonzert Servais, 1855
© Private Sammlung

Auch nachdem Servais ab 1834 einer internationalen Laufbahn nachging, blieb er seiner Heimatstadt treu. Ab und zu trat er in Halle auf und ließ den Ertrag einem guten Zweck zukommen. So auch am 16. Dezember 1855. Das Benefizkonzert fand in seiner Villa statt und der Ertrag ging an die Armen. Die Mitwirkenden waren nebst Servais Hubert Léonard, Berthold Damcke und Louise Feygin-Damcke.

8. Servais und das Chor Roland de Lattre

Servais mit dem Chor Roland de Lattre, 1865

Die Chorgemeinschaft Roland de Lattre wurde im September 1842 in Halle gegründet. Schon nach wenigen Monaten brachte der Chor seinem späteren Ehrenvorsitzenden eine Serenade. Mit seinem Dirigenten, Jules Denefve, war der Chor sehr erfolgreich bei Wettbewerben im In- und Ausland. Es gab auch Konzertreisen nach Paris und Amsterdam. Auf dem Bild sieht man Servais mit den Chormitgliedern vor seiner Villa. Der Anlass war ein erfolgreicher Wettbewerb in Cambrai.

9. Franz Servais und das Musikleben in Halle

Franz Servais, Ave Maria, 1866 (Kopie von Emile Houssiau, 1869)
© Servais Sammlung Halle

Franz Servais war, ebenso wie sein Vater, dem Musikleben in Halle verbunden. 1865 trat er als Sänger dem Chor Roland de Lattre bei. 1866 komponierte er ein Ave Maria zum 600-jährigen Jubiläum der Ankunft der wundertätigen Marienstatue in Halle. Er arbeitete auch an späteren Konzerten der Chorgemeinschaft mit. Bis etwa 1890 pflegte er Kontakte zur Harmonie.

10. Servais’ Tod

Servais’ Grab auf dem Friedhof in Halle, 2006
© Servais Sammlung Halle

Die Nachricht von Servais’ Tod am 26. November 1866 machte die Bevölkerung sehr betroffen. In der Innenstadt hingen überall schwarze Fahnen. Drei Tage später kamen Tausende zur Beisetzung, einige sogar aus dem Ausland. Die Stadt übernahm die Beisetzungskosten. Servais wurde auf dem Friedhof in Halle beigesetzt. Sein Sohn Joseph wurde später dazu bestattet.

1897 wurde das Grab auf den neuen Friedhof verlegt, wo es bis heute erhalten ist (Linke Reihe vom Haupteingang aus). Die Stadt hat die Grabpflege übernommen. Am 26. November 2006 wurde zu seinem 140. Todestag eine Gedenktafel enthüllt.

11. Servais’ Monument

Servais’ Monument auf dem Marktplatz in Halle, 2007

Knapp fünf Jahre nach seinem Tod wurde ihm ein Monument auf dem Marktplatz in Halle errichtet. Zur Einweihungsfeier 1871 kamen Henry Vieuxtemps und François-Auguste Gevaert. Es ist ein Werk von Cyprien Godebski (1835-1909), Servais’ Schwiegersohn , und wurde aus wertvollem Carraramarmor gehauen. Dieser Künstler polnischer Herkunft schuf Bilder von berühmten Persönlichkeiten u. a. in Frankreich, England, Russland, Belgien, Monaco und Peru. Er war Dozent an der Kunstakademie in Sankt-Petersburg. Er war ein Meister seines Faches – er schlug Bogen und Saiten aus einem Stein. Servais bekam als erster Cellist weltweit ein Denkmal gesetzt.

Die beiden Figuren in den Nischen am Rathausturm sind ebenfalls Werke von Godebski.

12. Joseph Sevais und der Cercle Servais

Programm von Cercle Servais mit Joseph Servais
© Servais Sammlung Halle

Das symphonische Orchester Cercle Servais wurde 1870 gegründet mit dem Ziel, Servais´ Ruf in die Welt zu tragen. Der Hallenser Emile Houssiau war bis 1905 der erste Dirigent. Franz und Joseph Servais waren als Ehrenmitglieder bei Konzerten und anderen Ereignissen regelmäßig zu Gast. Nachfolgende Dirigenten waren Jules Lerinckx, Charles De Koster und Leopold Sluys. Der Cercle Servais musizierte bis Mitte der 60-er Jahre.

In den Anfangsjahren trat Joseph Servais als Solist ab und zu mit dem Orchester auf. Er spielte dann grundsätzlich Kompositionen von seinem Vater. Joseph blieb auch weiter in Verbindung mit dem Chor Roland de Lattre und mit der hallensischen Harmonie.

13. Servaisfeier in 1907

Konzertprogramm vom 6. Oktober 1907
© Servais Sammlung Halle

Aus Anlass des hundertsten Geburtstages von Servais fanden von Juni bis Oktober 1907 eine Reihe Festivitäten statt. Am 6. Oktober veranstaltete sein Schwiegersohn, Ernest Van Dijck, ein Benefizkonzert in dem Harmoniesaal in Halle, wo der belgische Geiger Eugène Ysaye auftrat. Der Cellist Joseph Hollman (1852-1927) spielte das Andante Religioso aus Servais’ Concerto Militaire Opus 18. Hollman war im Brüsseler Konservatorium Schüler von Isidore de Swert gewesen.

14. Servaisfeier 1957

Plakat der Servaisfeier 1957
© Servais Sammlung Halle

Der 150. Geburtstag Servais’ wurde begangen mit einem Empfang im Rathaus , einer Feierlichkeit auf dem Friedhof in Halle am 6. Juni, einer Ausstellung Servais und seine Zeit in der vormaligen Jesuitenschule, einer feierlichen Messe unter Mitwirkung des Mariachores am 2. September, einem Galakonzert mit dem Nationalorchester von Belgien am 22. September und einem symphonischen Konzert „A. Francois Servais und seine Zeit“ durch den Cercle Servais am 29. Oktober 1957 in dem Concordiasaal in Halle. Der Hallenser Maurice Deneulin trat als Solist auf mit dem Concerto in h-moll von Servais.

15. Hugo Van de Velde spielt für Servais

Foto von Hugo Van de Velde während eines Rezitals am 27. Januar 1967
© Servais Sammlung Halle

Dieses Solistenkonzert war Teil der Gedenkfeier zum hundertsten Todestag Servais’. Van de Velde spielte zwei seiner Werke. Weiter gab es noch ein Gedenken am Grab, einen feierlichen Empfang im Rathaus und eine feierliche Messe am 26. November 1966 sowie eine Ausstellung in der Villa Servais.

16. Servaislaan

Strassenschild Servaislaan, 2014

Um 1900 wurde eine Straße nach Servais benannt, die heutige Leeuwenstraat. Um 1950 wurde eine Nebenstraße der Vogelpers, die als Stichstraße zur Villa führt, Servaislaan benannt.

17. Servais Akademie

Hauptgiebel der Servaisakademie, Foto von Jan Decreton, 2009

Die Musikakademie der Stadt ist in der ehemaligen Jesuitenschule neben der Basilika untergebracht. Seit 1997 trägt diese Akademie den Namen Städtische Servaisakademie für Musik, Wort und Tanz. Der Konzertsaal im ersten Stock wurde vor zwanzig Jahren in Servaissaal umbenannt.

18. Buste von Lefever

Foto von Büste von Servais von Edmond Lefever

Im Servaissaal der Servaisakademie steht rechts vom Podium eine Büste von Servais. Sie wurde 1880 durch Edmond Lefever gefertigt.

19. Servaisverein

Logo Servaisverein, Entwurf von Renaat Uyttersprot, 2004

Von 1985 bis 1992 gab es einen aktiven Konzertverein Adrien François Servais vzw. Der Verein organisierte etwa 30 Konzerte mit namhaften Künstlern. Dreimal wurden Werke von Servais aufgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Südwestbrabant wurde eine Ausstellung organisiert und es kam eine LP mit Musik von Servais zustande.

2003 entstand der vzw Servais. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Leben und Werk von Servais und seinen Nachfahren zu erforschen und bekannt zu machen. Darüber hinaus möchte der Verein als internationales Portal fungieren für alles, was in Zusammenhang mit der Person Servais steht. Der Verein hat inzwischen eine große Zahl an Konzerten, Ausstellungen, Lesungen usw. organisiert und brachte zwei CDs und mehrere Bücher auf den Markt. Bei jedem Konzert wird ein Werk von Servais ins Programm aufgenommen.

Erfahren Sie mehr über unseren Verein unter der Rubrik Servaisverein.

20. Servaissammlung

Das Heimatmuseum startete in den 80-er Jahren mit einer Musiksammlung. Der vzw Servais ist seit der Gründung bemüht , die Sammlung auszuweiten. Die Servaissammlung umfasst tausende Partituren, Fotos, Cds, Gegenstände, Briefe, Programme und andere Archivalia.

Ein Teil der Sammlung war von April 2004 bis 2015 als Dauerausstellung unter dem Thema “ Die Familie Servais und das Musikleben in Halle und Europa ” zu sehen. Die Exponate waren ebenfalls während der großen Ausstellung Adrien Francois Servais 1807-2007- Hallensischer Cellist von Weltruf in der Alten Post und im Historischen Rathaus zu sehen. Seit 2016 sind einige ausgesuchte Exponate im neuen Museum AST, Meiboom 16 in Halle ausgestellt.

Erfahren Sie mehr über diese Sammlung auf der Seite Forschung>Servais Sammlung: hier klicken

Servaiswanderung

Auf den Spuren des berühmten Hallensischen Cellisten.

Diese Wanderung führt uns zu Stellen, die an den berühmten hellenischen Cellovirtuosen François Servais (1807-1866) erinnern. Zu gleicher Zeit bekommen wir ein Bild über Halle im 19. Jahrhundert.

Führungen auf Nachfrage im VVV Toerisme Halle (+32)(0)365 98 50, e-mail

Wanderführer:

Zeger Desmet & Peter Francois, Servaiswandeling. In de voetsporen van de beroemde Halse cellist.
Herausgeber: vzw Toerisme Halle
36 Seiten -€2,50
Zu erwerben:
im VVV-Büro auf dem Marktplatz in Halle
oder via vzw Servais